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Schwere Vorwürfe nach ARD-Recherche: Wie das Netzwerk hinter Soft2Bet den deutschen Glücksspiel-Schwarzmarkt bedient

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Eine internationale ARD-Recherche legt offen, wie unregulierte Online-Casinos wie Wasamba und Rabona den deutschen Spielerschutz aushebeln. Im Fokus: Der Anbieter Soft2Bet und die Frage, warum die Aufsichtsbehörde GGL bislang nicht eingreift.

Illegales Glücksspiel im Visier der ARD

In Deutschland gelten Schätzungen zufolge über eine Million Menschen als glücksspielsüchtig. Während der deutsche Glücksspielstaatsvertrag mit strengen Einsatzlimits und dem zentralen Sperrsystem (OASIS) den Spielerschutz auf legalen Plattformen gewährleisten soll, blüht im Hintergrund ein gigantischer Schwarzmarkt.

Eine investigative Recherche der ARD in Kooperation mit internationalen Partnermedien deckt nun die Machenschaften hinter bekannten illegalen Plattformen wie Wasamba und Rabona auf – und rückt dabei ein prominentes Branchenunternehmen in den Mittelpunkt: die Glücksspielgruppe Soft2Bet.

Wenn das staatliche Sperrsystem wirkungslos bleibt

Wie gefährlich der uneingeschränkte Zugang zu unregulierten Angeboten ist, zeigt der Fall eines jungen Mannes aus der Oberpfalz, der bei der Caritas-Suchtfachambulanz in Regen Hilfe sucht. Seine Verluste im Online-Glücksspiel gehen in die Hundertausende Euro.

Nachdem er sich auf lizenzierten deutschen Plattformen konsequent sperren ließ, wich er auf unregulierte Online-Casinos aus dem Ausland aus. Das Ausweichen auf den Schwarzmarkt ist erschreckend einfach:

  • Keine Spielersperre: Staatliche Register wie OASIS werden von illegalen Anbietern ignoriert.
  • Keine Limits: Weder das monatliche 1.000-Euro-Einsatzlimit noch das 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin bei virtuellen Automatenspielen finden Anwendung.
  • Blitz-Registrierung: Die Anmeldung dauert oft weniger als zwei Minuten – teilweise sogar mit gefälschten Daten.
  • Sperren werden ignoriert: Freiwillige Selbstsperren auf den illegalen Seiten bleiben wirkungslos. Stattdessen versuchen die Betreiber, suchtgefährdete Spieler gezielt wieder zum Spielen zu bewegen („Anfixen“).

„Das treibt einen total in den Wahnsinn. Der Kopf ist eigentlich den ganzen Tag am Rattern, wie man quasi Geld beschafft, um Geld zu verzocken.“

– Anonymer Betroffener in der Suchtberatung der Caritas

Das Netzwerk hinter Wasamba und Rabona: Die Rolle von Soft2Bet

Offiziell präsentiert sich der Glücksspiel-Konzern Soft2Bet unter der Leitung von Gründer und CEO Uri Poliavich als Anbieter ausschließlich legaler Online-Casinos. Interne Dokumente und ARD-Recherchen zeichnen jedoch ein völlig anderes Bild: Soft2Bet unterhält direkte Verbindungen zu einem Netz aus rund 120 illegalen Online-Casinos, die in Deutschland frei erreichbar sind.

Insider packen aus: Skrupellose Geschäftspraktiken

Im Rahmen der Recherche äußerten sich Insider aus dem Umfeld des Konzerns drastisch über die internen Abläufe:

  1. Gezielte Reaktivierung Suchtkranker: Es sei gängige Praxis gewesen, Konten von Spielern, die aufgrund von Spielsucht geschlossen worden waren, systematisch wieder zu eröffnen.
  2. Verweigerte Auszahlungen: Gewinne von Spielern würden häufig gar nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung ausgezahlt.

Soft2Bet weist die Vorwürfe auf schriftliche Anfrage zurück und erklärt, dass der Fokus des Unternehmens darauf liege, „verantwortlich und im Einklang mit den geltenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zu handeln“.

Die Rolle der GGL: Machtlos oder untätig?

Für die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels in Deutschland ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle (Saale) zuständig. Auf Nachfrage der ARD teilte die Behörde mit, dass Soft2Bet zwar bekannt sei, aktuell jedoch keine „gerichtsfesten Informationen“ vorlägen, dass das Unternehmen unerlaubtes Glücksspiel in Deutschland betreibe.

Diese Zurückhaltung stößt bei Suchtexperten auf scharfe Kritik.

„Es ist einfach illegal. Es sollte nicht toleriert werden, und da müssen sicherlich mehr Anstrengungen unternommen werden, um gegen diese illegalen Anbieter vorzugehen.“

– Konrad Landgraf, Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern

Fazit: Die Leidtragenden sind die Spieler

Während illegale Plattformen dank fehlender Abgaben und fehlendem Spielerschutz Millionenumsätze generieren, tragen suchtgefährdete Spieler und das Hilfesystem die Konsequenzen. Der Fall macht einmal mehr deutlich, dass der Schutz vor Schwarzmarkt-Angeboten und eine konsequentere Durchsetzung von IP- und Zahlungsblockaden durch die Regulierungsbehörden eine der dringendsten Aufgaben des deutschen Glücksspielmarktes bleibt.


Quelle: ARD / Tagesschau-Recherche